Steinach Schule
Erweiterung Schulanlage
CH – Steinach
Wettbewerb 2005
Aus ALT mach NEU - Defizite ausgleichen, neue Qualitäten schaffen.
Wie soll ein Gebäude für eine moderne Schule aussehen, das sich im traditionellen Kontext mit einem sanierten Altbau befindet? Starkes Einwohner-wachstum, ein ungenügendes Schulraumangebot und der Sanierungsbedarf des Schulhauses aus den 60er Jahren machen diese Überlegungen notwendig. Wie stellt sich eine sinnvolle Neuorganisation im Kontext der bestehenden Bauten dar, wie sieht der ökonomische Rahmen aus, indem man sich bewegt?
Konzept
Die jetzige Positionierung von Schulhaus 2 (SH 2) ist aus städtebaulichen, räumlichen und funktionalen Aspekten als richtig anzusehen (Eingangssituation, Lage der Eingänge zueinander, Freiflächen). Darüber hinaus stellt sie für die Gemeinde Steinach ein gewohntes Bild dar, die Identität des Schulstandortes wird eng mit dem Ensemble der beiden Schulgebäude verknüpft.
Nach intensiven Untersuchungen auf Grundlage der vom Auslober zur Verfügung gestellten Unterlagen und mehreren Ortsbesichtigungen schlagen wir eine Umbau- und Erweiterungslösung vor. Der Verzicht auf einen in Größe und Volumen vergleichbaren Neubau lässt im günstigsten Fall einen Preisvorteil von bis zu 750’000 CHF erwarten. Zusätzlich sind vor allem der ressourcenschonende Umgang mit der Bestandskonstruktion, der geringe Landverbrauch und die kompakte Gebäudeform wichtige Kriterien für diese Entscheidung. Wir erhalten so einen kompakten 3geschossigen Baukörper mit einer homogenen Hülle, der nicht nur in der Entstehung sehr wirtschaftlich ist, sondern auch die MINERGIE-Standards erfüllt.
In der vergleichenden Abwägung zwischen einer 2- oder 3-geschossigen Variante sprechen Kompaktheit und die aus dem Neubauanteil resultierenden Kosten für eine 3-geschosssige Lösung unter Einbeziehung der Rohbaustruktur von SH 2. Die vorhandenen Baumbestände und Grünflächen werden dabei großzügig und zusammenhängend erhalten.
Typologisch entwickelt sich das neue SH 2 als Fortsetzung der alten Gebäudestruktur „in die Länge“. Der Entwurf bewegt sich in Höhenentwicklung und dem Spiel der Vor- und Rücksprünge im Rahmen des Gewohnten, zeigt sich aber gleichzeitig von einer neuen, modernen Seite durch Materialwahl und Ausformulierung.
Die innere Struktur - quadratische Klassenräume mit zwischenliegenden Gruppenräumen in Kombination mit großzügigen Erschließungs-, Spiel- und Schüler-arbeitsflächen - kommt aktuellen pädagogischen Anforderungen entgegen und bietet vielfältige innenräumliche Qualitäten.
Raumprogramm und Funktion
Die Verteilung des Schulprogramms auf zwei Schulhäuser ergibt sich aus der wichtigen Forderung nach einem „gemeinsamen Zentrum“ der neuen Schulanlage. Das Erdgeschoss von SH 2 stellt neben dem Pausenhof, der mit dem fröhlich-bunten Verbindungsdach aus Glas um wettergeschützte, überdachte Flächen ergänzt wird, das neue Herz der Anlage dar:
Bibliothek, Lehrerzimmer, Sekretariat, ein Teil der Fachklassen (die in ihrer Lage innerhalb des Systems frei anzuordnen sind) und die flexibel nutzbaren Erschließungs- und Begegnungsflächen bilden den neuen Mittelpunkt.
Die 3-Geschossigkeit von SH 2 ermöglicht eine klare, funktionale Zonierung in gemeinschaftlich genutzte Räume (EG und UG) sowie 2 Ebenen mit Klassen- und Gruppenräumen (1. und 2. OG). Zwischen den Klassenräumen angeordnet sind jeweils die Gruppenräume, das neue Treppenhaus, ein gemeinsamer Garderobenraum pro Ebene und das nötige zweite Treppenhaus mit Sanitäreinheit. Die dazwischenliegenden Erschließungsflächen, die über die lichtdurchlässigen Wände der Gruppenräume belichtet werden, lassen sich gut für dezentrale Schülerarbeit nutzen.
Die Bibliothek in EG und UG ist mit dem Außenraum verbunden. Sitzstufen schaffen ein „Lesezimmer im Freien“.
Der Vorschlag, die Bibliothek auf zwei Ebenen zu verteilen, beruht auf der Teilung von Lesen und Aufbewahren der Bücher. Darüber hinaus wird das UG mit den Werkräumen durch die 2-Geschossigkeit der Bibliothek in den Schulbetrieb integriert.
Die Zivilschutzräume können in ihrer bisherigen Form erhalten werden, eine Friedensnutzung als Materiallager und Putzraum (für EG und UG) bietet sich an.
Die Unterbringung aller Klassen- und Gruppenräume in den beiden Obergeschossen von SH2 ermöglicht eine separate, „ungestörte“ Nutzung von Schulhaus 1 durch Kindergarten und Einführungsklasse. Der nötige Sicherheitsabstand zu den Großen wird eingehalten, und trotzdem ist man mittendrin.
Das Raumprogramm im SH 1 wird ergänzt durch den Musikraum im OG und lässt auch für zukünftige Entwicklungen noch Spielraum zu (Reserveraum).
Das Untergeschoss wird auch in Zukunft Therapie, Schulküche und der dazugehörigen Theorie dienen, der hervorragende bauliche Bestand macht eine Verlegung nicht notwendig.
Außenanlagen
Das neue Entrée zur Schulanlage bildet ein „grünes Dach“ im Bereich des Vorplatzes. Der Haupteingang wird auch weiterhin von der kleinen Turnhalle und Schulhaus 2 definiert. Sitzstufen im Bereich der Bibliothek, Abböschungen zu den Werkräumen und zum Treppenhaus hin, stellen nur kleine Eingriffe in die bestehenden Außenanlagen dar. Die Großzügigkeit der Spielwiese und die gärtnerische Gestaltung um die Gebäude herum sollten als eine besondere Qualität der Anlage auf jeden Fall erhalten werden. Der einzeln stehende Baum östlich des SH 2 bildet eine schattenspendende Kulisse vor der Bibliothek.
Gestalt, Konstruktion und Material
Eine klare, homogene Fassade, ein harmonisches Spiel der Proportionen zwischen geschlossenen Wandflächen, Fensterbändern und Einzelöffnungen geben dem neuen Schulhaus eine einprägsame Gestalt, ohne sich von gewohnten Sehgewohnheiten allzu weit zu entfernen. Sonderräume wie Lehrerzimmer oder Bibliothek zeichnen sich durch große Verglasungen in der Fassade ab, die innere
Typologie ist von außen ablesbar.
Dem Konzeptgedanken folgend wird der Altbauteil von SH2 bis auf die tragenden Innenwände, Stahlstützen, Deckenscheiben und die Tragkonstruktion des UG weitestgehend rückgebaut. Im Neubauteil wird dies konstruktiv in Form von STB-Stützen und tragenden Innenwänden, Flachdecken (teilw. vorgesp.) und einem betonierten UG fortgesetzt. Die notwendige konstruktive Aussteifung erfolgt über die neuen tragenden Innenwände sowie über die beiden neuen Treppenhäuser.
Im Altbauteil werden die Stahlstützen kreisrund mit Beton ummantelt. Dadurch wird einerseits die Forderung des Brandschutzes erfüllt, andererseits die Tragfähigkeit der Stützen erhöht. Dem Problem des Durchstanzens wird durch die Lastenreduzierung (Entfernen der schweren alten Fassadenteile) begegnet.
Die einheitliche, neue Fassade wird als hochwärmegedämmte „Leichtwandfassade“ (s. Detail) ausgeführt. In Abstimmung mit der zuständigen Brandschutzbehörde sind hier zwei Alternativen denkbar:
- eine äußere, schwerentflammbare FSH-Platten-Konstruktion
- eine fein pigmentierte, eingefärbte Putzfassade (WD-System).
Die offenen Fassadenteile werden als eine Elementfassade mit allseitiger Zarge und PR-Konstruktion (Holz/ LM) mit außenliegendem Sonnenschutz (Screen) und hochwertiger Wärme-/ Sonnenschutzverglasung vorgesehen. Optional können einzelne Räume mit Verdunklungsanlagen ergänzt werden. Es wurde besonders darauf geachtet, dass alle Klassenräume von links belichtet werden.
Um die Typologie einer Primarschule zu unterstützen, kommen beim robusten und widerstandsfähigen Innenausbau „Wohlfühl-Materialien“ zum Einsatz: warme Farbtöne bei der Wand- und Deckengestaltung, Holzparkettböden in den Klassenräumen, oberflächenvergüteter, farbiger Hartstoffestrich (Aufbauhöhen entsprechend den Vorgaben des Altbaus), naturbelassene Holztüren und Möbel, ...
Zur Verbesserung der Akustik kommen in den Klassenräumen und Flurbereichen, je nach Erfordernis, mit dem Deckenputz flächenbündig angebrachte Lochplatten zum Einsatz.
Den oberen Abschluss der Konstruktion bildet eine Flachdachkonstruktion mit extensiver Begrünung.
Die Umbaumaßnahmen des erst 1996 sanierten Schulhaus 1 beschränken sich auf den Umbau der Toilettenanlagen (Lehrer-WC im UG, separates Behinderten-WC im EG), die Trennwand zwischen den Gruppenräumen im EG und die dazugehörigen Türen.
Energie und Ökologie
Die Gebäudestrukturen sollen im Sinne des ökologischen Ansatzes überwiegend natürlich belüftet und belichtet werden, was durch das architektonische Konzept sichergestellt wird.
Große Glasfassaden mit Verschattungsmöglichkeit (Screens) ermöglichen einen hohen Tageslichteintrag und, bei Öffnung eines Teils der Glasfelder eine natürliche Durchlüftung infolge Thermik und Wind.
Sofern die Grundwassersituation es ermöglicht, sollte diese natürliche Energiequelle für die Beheizung und die Brauchwarmwasserbereitung mit genutzt werden (s. schematischer Energieverbund).
Der Bestand - Schulhaus 1 und die kleine Turnhalle - wird an die neue Wärmeversorgung angebunden.
Heizung
Winter (Raumlufttemperaturen)
- Klassen- und Gruppenräume 20 - 22 °C
- Eingangsbereich / Flure 18 - 20 °C
- Wasch- und Zahnputzraum 22 - 24 °C
Für die Erzeugung der Wärmeenergie wird die bestehende, kombinierte Gas/ Ölheizung erneuert. Um einen besseren Wirkungsgrad zu erreichen, werden Öl- und Gaskessel separiert und an den neuen Energiebedarf angepasst. Alternativ kann zur Warmwassererzeugung auf Grundwasser zurückgegriffen werden. Zum Erreichen des erforderlichen Energieniveaus wird eine Wärmepumpe verwendet.
Grundsätzlich werden die MINERGIE-Standards erfüllt.
Raumlufttechnik
Sämtliche Räume können und sollen natürlich belüftet werden. Lediglich die innenliegenden WC-Anlagen erhalten eine Abluftanlage. Dadurch wird dieser Bereich in Unterdruck gegenüber den anliegenden Raumbereichen gehalten.
Wasserversorgung
Ca. 50% des üblichen Wasserverbrauchs soll durch Wasser mit Trinkwasserqualität dargestellt werden, restliche Brauchwässer durch aufbereitetes Regenwasser. Somit erhält die Schulanlage zwei Bewässerungssysteme (Trinkwasserqualität/ Brauchwasserqualität). Das Brauchwasser wird in einer Zisterne durch Regenwasser gesammelt, aufbereitet und in das Brauchwassersystem (Toilettenbewässerung/ Außenbewässerung) eingespeist. Die Mehrkosten durch die doppelte Leitungsführung sind zu vernachlässigen, da die Toilettenanlagen zentral zusammengefasst sind. Die Abwässer des Gebäudes werden direkt in das Abwassersystem der Gemeinde geführt.
Elektrotechnische Anlagen
Die Elektroversorgung des Gebäudes erfolgt aus dem öffentlichen Netz. Zusätzlich könnte über ein Klein-BHKW (ca. 15 kWel), welches mit Öl oder Gas betrieben werden kann, der elektrische Verbrauch minimiert werden. Zusätzlich kann die Anlage sowohl als Netzersatzanlage für Notstrom berechtigte Verbraucher, als auch zur Versorgung der EDV-Bereiche und der Informations- und Kommunikationseinrichtungen genutzt werden.
Die Abwärme wird zur Beheizung bzw. Warmwassererzeugung genutzt.
Zur Reduzierung der elektrischen Energieverbräuche werden Beleuchtungssysteme vorgeschlagen, die bei zonaler Beleuchtung mit geringsten Anschlussleistungen auskommen (nach SIA 380/4). Optional wird eine ergänzende Tageslichtbeleuchtung vorgeschlagen.
Eine erhebliche Reduktion der Betriebskosten erfolgt durch die Nutzung des Umweltangebots. Die gesamte Anlagenstrategie führt somit zu einer Minimierung des Ausstoßes von CO und CO2 sowie NOX .















