Ravensburg TWS
Technische Werke Schussental
Ravensburg 2003
Wettbewerb 1. Stufe
Innerhalb des Areals 'Bahnstadt' stellen die Technischen Werke auf dem exponierten Grundstück die Schnittstelle zwischen Hallen- und Dienstleistungsstrukturen dar.
Die 'Bahnstadt' entwickelt sich zwischen zwei eindeutig begrenzenden Elementen - den Gleisanlagen auf der einen und der Georgstraße auf der anderen Seite. Der Bahnhof stellt als Zentrum der Anlage ein Gegenüber zur Altstadt dar. Die überwiegend linearen Baukörper (realisiert/ geplant) folgen der Ausrichtung des Gleiskörpers, der dominierend und begrenzend wirkt. Mit der Werkhalle der Firma Bausch erfährt diese klare Struktur eine Zäsur, das im Norden anschließende industriell geprägte Gebiet hebt sich deutlich ab. Innerhalb der 'Bahnstadt' stellen die Technischen Werke auf dem exponierten Grundstück die Schnittstelle zwischen Hallen- und Dienstleistungsstrukturen dar.
Der Entwurf geht in seiner baukörperlichen Entwicklung von der vorhandenen und geplanten Struktur der 'Bahnstadt' aus und definiert den öffentlichen Raum des Zentralen Omnibusbahnhofs (ZOB). Dabei nimmt er gleichzeitig die stark präsente Gleiskante auf und schließt mit dem Ideenteil die Anlage zur Georgstraße hin klar ab.
Um eine eindeutige Struktur über das gesamte Wettbewerbsgebiet zu entwickeln, wird der Betriebsbereich entlang der Bahnseite in die Gebäudestruktur integriert. Der direkt angegliederte Werkhof nutzt die aus der Winkligkeit des Grundstücks entstehende Fläche und verfügt sowohl über eine Zufahrtsmöglichkeit von der Georg- als auch von der Metzgerstrasse aus. Der Höhenversprung des Geländes wird dabei für die Betriebsbereiche mit erhöhtem Bedarf an Raumhöhe genutzt.
Das abgesetzte Dachgeschoss ist als Staffelgeschoss ausgebildet und bindet die beiden Entwurfsteile zusammen. Im Bereich der Technischen Werkes Schussental ist es dem Ideenteil zuzuordnen. Dabei ist von einer Fremdvermietung auszugehen.
Der Gleiskörper der 'Bahnstadt' wird beidseitig durch Erschliessungsstrassen und Wege flankiert, die sich von der Meersburger Straße nach Norden entwickeln. Im Bereich des Bahnhofs werden die beiden Stränge als Unter- bzw. Überführung miteinander verbunden und binden so fußläufig an Freizeit- und Sporteinrichtungen im Westen und an die nahe Altstadt im Osten an. Straßenbegleitendes Grün, Parkierungsflächen unter Bäumen, Fußgängerbereiche und Radwege werten den Straßenraum auf. Vom Bahnhof führt diese Promenade am Areal der ehemaligen Post vorbei zum Standort der TWS und wird im Anschluss entlang der Metzgerstrasse weitergeführt.
Diese im Grünkonzept der 'Bahnstadt' angedeutete Aufwertung der Straßenräume soll im Bereich des Wettbewerbsgebiets fortgeführt werden. Die „grünen Wände" stellen eine wirksame Lärmschutzmaßnahme dar, vor allem im Bereich entlang der Metzgerstraße kann so ohne großen technischen Aufwand auf die Lärmemissionen des Zugverkehrs reagiert werden.
Von der Georgstraße aus wird eine Verbindung zur Metzgerstrasse am nördlichen Rand des Grundstücks vorgeschlagen, hierüber lassen sich Tiefgarage und Werkhof erschließen. Eine separate Zufahrt in den Werkhof von der Metzgerstrasse aus erlaubt es, verschiedene Verkehrsströme zu trennen. Entlang der Metzgerstrasse werden Kurzparkplätze für Besucher angeboten.
Das neue Gebäude der Technischen Werke präsentiert sich zum Busbahnhof mit einem großzügigen offenen Foyer- und Servicebereich, der sich mit der integrierten Cafeteria flexibel nutzen lässt. Im Innenbereich entsteht neben dem Werkhof ein weiterer Bereich, der als Pausenbereich in Verbindung mit der Cafeteria gesehen wird, im Ideenteil einen ruhigen Eingangshof für den 2. BA darstellt. Ein Rücksprung der Fassade markiert im Erdgeschoss den Eingang. Von hier gelangt der Besucher direkt in den Servicebereich; die Angestellten erreichen vom zentralen Treppenhaus ihre Arbeitsplätze. Zwei weitere vertikale Erschließungselemente gewährleisten zum einen eine getrennte Erreichbarkeit der fremdvermieteten Flächen und erfüllen zum anderen die notwendigen Sicherheitsbestimmungen.
Die Werkstätten des Betriebsbereichs können direkt vom Werkhof aus angedient werden. Ein Personen- und Lastenaufzug verbindet die Ebenen an zentraler Stelle und ermöglicht kurze Wege zwischen den einzelnen Bereichen.
Die einzelnen Funktionsbereiche integrieren sich ohne Überschneidungen in die L-Form des Gebäudes. Im Erdgeschoss orientieren sich Kundenservice, Aula, Foyer und Cafeteria zum ZOB, der Betriebsbereich schließt sich entlang der Metzgerstrasse im hinteren Bereich an. Seine kompakte Zweigeschossigkeit erlaubt die Integration in die Gebäudestruktur. Vom Werkhof ist eine direkte Andienung der notwendigen Bereiche (wie Rohrteillager, Elektro-/ Regler-/ Schlosserwerkstatt, Großteillager) gewährleistet.
Das 1. OG teilen sich Betriebs- und Verwaltungsbereich, die darüber liegenden Geschosse sind ausschließlich dem Verwaltungsbereich zugeordnet. Die 30 vermietbaren Arbeitsplätze mit möglicher separater Erschließung sind im 3. OG angedacht. Das 4. OG (Staffelgeschoss) ist Teil des Ideenteils und verbessert als fremdgenutzter Teil die wirtschaftliche Ausnutzung des Grundstücks.
Flexibilität
Die gewählte Gebäudestruktur bietet die Möglichkeit, mit geringem Aufwand auf zukünftige Nutzungsänderungen reagieren zu können.
Wie dargestellt, ergibt sich aus einem möglichen 2. Bauabschnitt unter Berücksichtigung der städtebaulichen Randbedingungen eine ökonomisch optimierte Ausnutzung, die im Bezug auf das Parkierungskonzept verschiedene Möglichkeiten eröffnet:
Variante 1 stellt die wirtschaftlich günstigste Möglichkeit dar - unter Verzicht auf die Tiefgarage im 1. BA - die benötigten Stellplätze auf dem Grundstück unterzubringen. Sie sieht das Parken auf zwei Ebenen in Form eines offenen Parkdecks vor. Im Zuge des 2. BA würde eine 2-geschossige Tiefgarage die geforderten Stellplätze aus beiden Bauabschnitten aufnehmen (Variante 2).
Variante 3 geht alternativ dazu von einer Tiefgarage mit 70 Stellplätzen unter dem Werkhof aus, die sich im 2. BA auf gleicher Ebene erweitern lässt (Variante 4).
Nach Auffassung des Verfassers ist Variante 1 (oberirdische Parkierung) zurzeit die wirtschaftlich Günstigere, vor allem, da momentan vom Erhalt der beiden Bestandsgebäude ausgegangen werden muss und diese auch aufgrund der einzuhaltenden Abstandsflächen einer besseren Ausnutzung im Wege stehen. Derzeit ist noch nicht abzusehen, ob ein 2. Bauabschnitt überhaupt folgt, bzw. die politischen Parameter es gestatten, die noch relativ gut erhaltenen Gebäude 25 und 27 zu ersetzen. Neben attraktiveren Dienstleistungs- und Büroflächen präsentiert der zweite Bauabschnitt die Technischen Werke in einem homogenen Umfeld, das die städtebauliche Geschlossenheit der 'Bahnstadt' unterstreicht.
Angedacht ist eine einschalige Fassade aus Profilithglaselementen mit z.T. transluzenter Wärmedämmung, speicherfähige, massive Brüstungen, Flügel-/ Rasterlüftungselementen und außenliegendem Sonnenschutz. Diese homogene Hülle zieht sich um beide Baukörper. Ihre horizontale Gliederung mit transparenten, transluzenten und opaken Streifen ordnet sich sinnfällig dem ökologischen Anspruch unter, gibt dem Gebäude aber vor allem ein eigenständiges Gesicht, das sich ruhig in der heterogenen Umgebung behauptet.







