Raiding Konzertsaal
Franz Liszt Konzertsaal
A - Raiding
Wettbewerb 2004
Mit dem "Franz Liszt Konzertsaal" entsteht am Geburtsort des Musikers eine einmalige kulturelle Einrichtung, die weit über die Region hinaus einen hohen Bekanntheitsgrad erreichen wird.
Entwurfsgedanken
Franz Liszt war einer der typischsten und untypischsten Künstler des 19. Jahrhunderts zugleich: Musik als Ausdruck des Göttlichen und der Natur, Musik als Drama und als Vergegenwärtigung metaphysischer Grundstimmungen. Typisch war Liszt auch in seinem Selbstverständnis als Künstler: Das Genie, das sich auch äußerlich durch Kleidung u. Haartracht von der Norm unterschied und so sein Anderssein unterstrich, dokumentierte sein Künstlertum auf diese Weise als Lebensauffassung. Mit dem "Franz Liszt Konzertsaal" entsteht in Raiding, dem Geburtsort des Musikers, eine einmalige kulturelle Einrichtung, ein "Ort der Klassik", der weit über die Region hinaus einen hohen Bekanntheitsgrad u. Stellenwert erreichen wird. Die Darbietungen der Werke Liszts stehen im Vordergrund, aber auch Werke anderer Komponisten werden im Veranstaltungskalender integriert sein. Neben kultureller und touristischer Attraktion entsteht aber auch ein bedeutsamer Treffpunkt für verschiedene Veranstaltungen.
Durch die enge Verbindung mit dem Franz Liszt Geburtshaus wird kein ‚beliebiger' Veranstaltungsort geschaffen, sondern der örtliche Bezug und vor allem die kulturelle Wertschätzung stark hervorgehoben. Dieser elementare Entwurfsgedanke der inhaltlichen Verknüpfung wird durch die eindeutige Ausrichtung des Saalvolumens parallel zum Geburtshaus aufgegriffen. Die zwischen neuem Saal und Geburtshaus entstehende "Franz Liszt Terrasse" thematisiert diesen Bezug in der Außenraumgestaltung des neuen Parks.
Mit einer städtebaulichen Selbstverständlichkeit steht das Gebäude im Park. Ein abgestuftes Spiel von Proportion und Maßstäblichkeit zwischen Geburtshaus, Konzertsaal und Nachbarbebauung lässt einen Kontext entstehen, der den dörflichen Rahmen nicht belastet. Die offene Foyergestaltung, die sich bewusst aus der Parallelität des Saals herausdreht und auf leichte Weise das Saalvolumen umspielt, erreicht einerseits eine deutliche Markierung der beiden gleichwertigen Eingänge auf dem schwierig zu bebauenden Grundstück, andererseits wahrt sie respektvoll Abstand zu dem Kulturdenkmal "Franz Liszt Geburtshaus". Neben einer gewissen Betonung des Saals wird eine Steigerung der räumlichen Qualitäten im Außenbereich erreicht, perspektivische Verengungen beleben Blickbeziehungen, bewirken eine optische Vergrößerung.
Der Genuss der Musik geht einher mit meditativer Ruhe und Geborgenheit, die mit der edlen, hellen und modernen Atmosphäre des Konzertsaals in Verbindung steht.
Der Hörgenuss steht im Vordergrund. Aus diesem Grunde schlagen wir die klassische Proportion und Ausformung eines Konzertsaals vor: Ein nach akustischen Anforderungen optimierter "Schuhkarton" der im Gesamtensemble klar hervortritt, ohne den Maßstab zu sprengen. Im Kontrast zur Introvertiertheit des Saals steht die großzügige Offenheit des Foyers und der Galerie. Natur und Raum fließen ineinander, in lauschigen Sommernächten wird der Park selbst zum Foyer - ein Ort mit internationalem Flair, einem Fest der Musik.
Aus der Verdrehung der Foyers ergeben sich klare Eingänge, sowohl von den Parkplätzen als auch vom Ortskern aus. Die Außenraumgestaltung führt mit einer dezenten Fassung der Zugänge ins Gebäude, lässt aber den Gesamteindruck des Parks mit der Baumkulisse unangetastet. Leuchtende Stelen betonen die durch den Konzertsaal entstandenen Sichtachsen und spannen einen atmosphärischen, den Park umfassenden Raum auf. Gestaltung, Konstruktion, Material
Die Klarheit des Entwurfs setzt sich in der Wahl der Materialien fort. Es herrscht ein ruhiger Stil vor, der nicht in Konkurrenz mit der umgebenden Natur tritt, sondern das Erlebnis des Musikhörens in den Vordergrund stellt.
Grundgerüst des Gebäudes ist eine STB-Tragkonstruktion mit Flach- bzw. vorgespannten Plattenbalkendecken über dem Konzertsaal. Die Hülle des Saals sowie die Deckung der flachgeneigten Dächer bildet eine hinterlüftete Kupferverkleidung mit einer Betonung der horizontal umlaufenden Fugen. Der Gebäudeteil der Nebenräume mit niedrigerer Bauhöhe wird in Sichtbeton ausgeführt. Im Gegensatz zu den geschlossenen Körpern stehen die transparenten, offenen Foyers (LM-PR-Konstr.), die sich in Teilen zum Park öffnen lassen. Zur Verschattung ist ein außenliegender Sonnenschutz (Raffstores) vorgesehen. Als Bodenbeläge im Foyerbereich bieten sich Naturstein- bzw. Betonwerksteinbeläge an, die einen fließenden Übergang zu den Plattenbelägen im Außenbereich ermöglichen. Die Decke im Foyer kommt als helle, schallschluckende, glatte Decke zur Ausführung.
Der Ausbau des Saals orientiert sich an den akustischen Erfordernissen, ein mit Holz ausgeschlagener "Klangkörper", dessen helle Verkleidung mit der anthrazitfarbenen Polsterbestuhlung kontrastiert. Die in die Decke integrierte überwiegend indirekte Beleuchtung verleiht der Decke Leichtigkeit, die Akustiksegel "schweben" im Saal, der Holzboden (z.B. Parkett Eiche hell) harmoniert mit den Furnieren der Wandverkleidungen.
Akustik
Aufgrund der akustischen Anforderungen schlagen wir die klassische "Schuhkartonform" vor. Der Frequenzverlauf der Nachhallzeit sollte hierbei linear verlaufen, wobei im unteren Frequenzbereich ein Anstieg der Halligkeit günstig ist, um ein wärmeres Klangbild zu erzeugen.
Um die Nachhallzeitwerte sicherzustellen sind Maßnahmen zur Schallabsorption erforderlich. So sollten z. B. die Saalrückwand auf der Galerie mit schallabsorbierenden Flächen, die Längswände weitestgehend mit geschlossenen Holzverkleidungen ausgestattet werden. Hierbei denken wir an hell furnierte Sperrholzverkleidungen, die, den spezifischen Erfordernissen entsprechend, gestaltet werden. Zur Nachhallsenkung und zur Vermeidung von Flatterechos zwischen planparallelen Flächen sind zusätzliche Flächen an den Längswänden vorgesehen. Die Saaldecke erhält in den seitlichen Randbereichen ebenfalls schallabsorbierende Flächen zur Nachhallregulierung. Die Maßnahmen zur Schalllenkung und Verbesserung der Diffusität beinhalten Schallreflektoren: geformte, justierbare Deckenelemente sowie schallreflektierende, mobile Wandflächen in den seitlichen Bühnenbereichen.
Die Schallausbreitung von der Bühne in den Saal wird zusätzlich durch die geneigten, justierbaren "Segelflächen" optimiert. Die Diffusität wird durch die Raumgliederung zusätzlich verbessert: durch seitliche Galerien oder Vor- und Rücksprünge der Wandverkleidungen.











