Prag Nationalbibliothek
The New Building of the National Library of the Czech Republic
CZ - Prag
Internationaler Wttbewerb 2006
In contrast to an open attitude stands the element of national collection - the treasury of Czech literature. The intellectual centre of the National Library seems barred from the outside while admitting entry to a selected person subgroup only.
The New National Library of the Czech Republic – General Report
Die New National Library reagiert als signifikanter, würdevoller Solitär am Rande des Letenska Plateaus auf die unterschiedlichsten thematischen Herausforderungen, die an ein modernes Bibliotheksgebäude gestellt werden. Während Bibliotheken ursprünglich Orte des Bewahrens und Beschützens von Büchern waren und sich durch einen introvertierten und von der Außenwelt abgeschotteten Bautypus auszeichneten, hat sich das Bibliothekswesen - nicht nur auf technischer Ebene - weiterentwickelt. Wir erleben heute einen modernen kulturellen Ort der Begegnungen, einen Ort für Bildung, Forschung und Entertainment, der seine innere Erlebniswelt nach außen zeigt und die Besucher zum Betreten einlädt.
Im Gegensatz zu dieser offenen Haltung steht das Element der nationalen Sammlung – die Schatzkammer der tschechischen Literatur. Das intellektuelle Zentrum der National Library gibt sich nach außen verschlossen, und gewährt nur einem ausgewählten Personenkreis Zutritt.
Der Entwurf leitet aus den zuvor beschriebenen Bedingungen drei, in der Gestaltung klar ablesbare, Elemente ab; deren räumliche, materielle und inhaltliche Ausformulierung unterscheiden sich, bilden aber dennoch ein harmonisches Ensemble.
Diese Elemente sind
- ein geschlossener Gebäuderiegel, der sich mit schützender Geste zu einem gemeinsamen Dach entwickelt,
- die offene Main Library Hall, die sich zum Park öffnet und ihr Innenleben erkennen lässt
- der monolithische, geheimnisvolle Turm des Nationalarchivs
Der Bibliotheksneubau versteht sich als Teil des Parks. Dieser stellt die attraktivste Seite des Wettbewerbsgebietes dar und erlaubt vielfältige Ausblicke ins Grüne. Dieser Naturbezug bietet eine besondere Aufenthaltsqualität in den Lesebereichen und ist in der klaren Zonierung der Grundrisse ablesbar.
Auf der Westseite definiert die Bibliothek den Library Square, der sich niveaugleich aus dem Letenské sady entwickelt und sich gegenüber der Milady Horákove-Straße abhebt. Eine repräsentative Treppenanlage vermittelt zwischen den unterschiedlichen Höhen und wirkt als betonendes, stadträumliches Element zur Straße. Das bewusste Abrücken, sowohl von der Straßenflucht als auch von der direkten Nachbarbebauung, betont die Eigenständigkeit des Solitärs.
Räumliche und funktionale Verknüpfungen
Die National Library gliedert sich allgemein in drei Hauptbereiche:
- Turm der Nationalsammlung, unterirdische Archive,
- Publikumsbereich mit offenen Magazinen, Arbeitsplätzen und Leseräumen
- Mitarbeiterbereich mit Arbeitsplätzen und Räumen zur temporären Bücheraufbewahrung
Herz und Seele der Tschechischen Nationalbibliothek ist der Turm der national archival collection. Bereits von weitem ist er als höchster Punkt des Gebäudes wahrnehmbar. Er stellt im Inneren einen allgegenwärtigen Bezugspunkt dar - für jeden Besucher erlebbar, aber nicht zugänglich. Die national archival collection bildet einen autarken Bereich innerhalb des Bibliotheksbetriebs. Im 1. UG und im 3. OG gibt es punktuelle Eintrittsmöglichkeiten. Mit Ausnahme einzelner markanter Fassadenöffnungen in den Arbeitsbereichen der oberen Geschosse ist die Hülle des Turms komplett geschlossen - ein massiver Tresor für einen kostbaren Inhalt, umhüllt von einer transluzenten Glashaut.
Der Library Square ‚sammelt’ die verschiedenen Bewegungsrichtungen und geht in den Foyerbereich der Bibliothek über. Café und bookshop flankieren den Eingang, lassen sich zur Außenfläche öffnen und beleben den Platz.
Vom Foyer aus erreichbar sind book-shop, Café, lecture-theater, lecture hall sowie Garderoben- und Sanitär-Bereich im UG (hier ist auch der Eingang von der Tiefgarage). Im direkten Anschluss befindet sich die Main Library Hall mit ersten Informationsmöglichkeiten, Zugang zu den verschiedenen Serviceeinrichtungen und Leseplätzen auf der Parkseite. Sicherheitsfragen und Zugangskontrolle werden im Rahmen eines zentralen Kontrollpunkts gelöst, der sich am Übergang vom öffentlich nutzbarem Veranstaltungs- und Gastronomiebereich zur eigentlichen Bibliothek befindet. Gastronomie und Veranstaltungsräume können so auch außerhalb der Öffnungszeiten genutzt werden. Durch eine zentrale Haupttreppenanlage und einen, in allen Ebenen wiederkehrenden, zentralen „Startpunkt“ ergeben sich gut überschaubare und kontrollierbare Publikumsströme.
An der Ecke des Turms gelangt der Leser über die Haupttreppe auf die einzelnen Ebenen des open stack mit den nach außen, zum Park orientierten Arbeitsplätzen, Leseräumen und Aufenthaltsbereichen. Eine gebäudehohe Fuge, in die sich einzelne clubrooms schieben, trennt den Verwaltungs- und Mitarbeiterbereich vom Rest der Bibliothek und macht das Gebäude in seiner gesamten Höhe erlebbar.
Parliament Library und Restaurant befinden sich im fünften OG. Somit ist vor allem der parlamentarische Teil der Bibliothek vom allgemeinen Publikumsverkehr abgetrennt und separat benutzbar. Das Restaurant verfügt über eine vertikale Verbindung ins EG und ist damit direkt an den Veranstaltungsbereich (lecture theater) angeschlossen.
Sämtliche publikumsfreien Mitarbeiterbereiche befinden sich im westlichen Gebäudeteil. Die Background workplaces der Main Library Hall und die einzelnen Verwaltungseinheiten sind auf 5 Geschossebenen organisiert. Alle Arbeitsplätze sind natürlich belichtet und belüftet. Die nach außen ablesbaren Büroeinheiten umschließen auf allen Ebenen die notwendigen Bücherflächen für Zwischenlagerung und Bearbeitung. Diese erfüllen die selben Bedingungen wie die Archivräume in den Untergeschossen. Vertikale Erschließungskerne (vertical communications) sorgen für einen einfachen Transport der Bücher (telelift). Dabei erfolgt die horizontale Verteilung der Medien in den Untergeschossen.
Über die am westlichen Rand des Grundstücks befindliche Zufahrtsstraße erreicht man die Tiefgarage. Die Anlieferungszone befindet sich zentral im Bereich der vertikalen Erschließungen und garantiert so einen problemlosen Transport der Bücher und Materialien. Die restlichen Flächen in den Untergeschossen dienen hauptsächlich der Archivierung von Büchern. Die notwendigen Service- und Haustechnikflächen für die Untergeschosse sind im 2. UG angeordnet. Weitere Technikräume befinden sich im 6. OG.
Gestalt, Konstruktion, Technik und Ökologie
Die drei Gestaltelemente drücken sich in unterschiedlichen Materialitäten aus: Die geschlossenen Fassadenbereiche des vom Boden abgelösten Körpers erhalten eine Hülle aus poliertem Naturstein, in den flächenbündig die gebänderten Fassadenstreifen eingelassen sind. Multifunktionsgläser begrenzen die Offenheit der Main Library Hall, ohne die Sichtbezüge nach außen zu stören. Der dunkle, geschliffene Naturstein des Bücherturms, lässt sich hinter der transluzenten Verglasung nur erahnen, seine reliefartige Struktur wird durch eine effektvolle Beleuchtung sichtbar und löst sich nach oben auf.
Als Tragstruktur des Gebäudes ist eine Stahlbetonkonstruktion in Ortbeton vorgesehen. Im Bereich der Untergeschosse werden die Bodenplatten und erdberührten Wände als wasserundurchlässige, mehrschichtige ‚Weisse Wanne’ ausgeführt. Für die Dächer ist eine Metalldacheindeckung vorgesehen. Die Fußbodenaufbauten werden nach den jeweiligen Anforderungen ausgewählt; hierbei kommen robuste, jedoch edle Materialien zum Einsatz.
Alle Arbeits-, Büro- und Lesebereiche werden natürlich belichtet. Entsprechend der Nutzung sind ergänzende, künstliche Arbeitsplatzbeleuchtungen vorgesehen. Als durchgängiges Gestaltungselement wird eine, in die Bücherregale integrierte, Grundbeleuchtung vorgeschlagen. Das nach oben strahlende Licht erhöht die Raumhelligkeit und unterstreicht den „leichten“ Gesamteindruck.
Im Bereich der Verwaltung und in Bereichen, in denen keine Gefährdung durch Wasser besteht, wird in Abhängigkeit des Brandschutzgutachtens eine Nass-/Trockenanlage vorgesehen.
In den Magazinen und im Nationalarchiv ist eine automatische Löschanlage mittels INERGEN vorgesehen. Inergen ist nicht toxisch, erstickt Feuer durch Sauerstoffverdrängung und gewährleistet für eine gewisse Zeit die Versorgung des menschlichen Körpers mit Sauerstoff. Es schützt Menschen während des Löschvorganges durch beigemengte Gase zur Stimulierung der Atmung und beugt dabei durch unverminderte Sichtfreiheit einer möglichen Panik (wegen Atemnot durch verringerten Sauerstoffgehalt der Luft) vor. Die Erarbeitung eines detaillierteren Brandschutzkonzepts ist Aufgabe der Phase II.
Entsprechend den verschiedenartigen Raumanforderungen sind differenzierte Klimaanlagen notwendig. Zur Steuerung des Raumklimas in den großvolumigen, offenen Bibliotheksbereichen erscheint der Einsatz einer zentralen Anlage angebracht. Im Bereich der geschlossenen Magazine werden die besonderen Anforderungen der Buchlagerung durch eine separate Klimatisierung gewährleistet. Alle Arbeitsbereiche der Mitarbeiter sind natürlich belichtet und belüftet.
Um die natürlichen Ressourcen weitestgehend zu schonen, schlagen wir einen Energieverbund aus folgenden Komponenten vor:
- Kesselanlage – alternativ Fernwärme
- Blockheizkraftwerk - Kraft-Wärme-Kopplung
- Absorptionskälte
- Nutzung der Erdenergie (Geothermie)
- Betonkernaktivierung
Der Installationsgrad an „Ökotechnologien“ hängt neben wirtschaftlichen und energetischen Überlegungen primär von dem nach außen darzustellenden technologischen Anspruch des Nutzers ab. Beispielsweise können auf den Dachflächen Photovoltaikelemente, Solarkollektoren oder ähnliche Solaranlagen installiert werden, welche die Gesamtenergiebilanz des Gebäudes positiv beeinflussen. Die Erarbeitung eines detaillierten Technik-Konzeptes erfolgt in Phase II. Die für technische Anlagen notwendigen Flächen befinden sich im 2. UG und im Dachgeschoss.












