Linz Schlossmuseum
Erweiterung des Schlossmuseums Linz – Südflügel
A – Linz
Wettbewerb 2006
Der prominente Platz auf dem Schlossberg verlangt einen innovativen Bau zeitgenössischer Architektur, der kraftvoll über der mächtigen Schlossmauer 'schwebt'.
Idee
Das oberösterreichische Landesmuseum – das Linzer Schlossmuseum - soll erweitert und die bestehenden Gebäude saniert werden. 2009 wird Linz Kulturhauptstadt Europas.
An Stelle des im 18. Jahrhundert abgebrannten Südflügels soll im historischen Kontext, unter Wahrung des Denkmalschutzes, ein Erweiterungsbau geschaffen werden, der für die Stadt und die Region von herausragender Bedeutung ist. Ein Projekt, dessen Ziel es ist, ein modernes museales Ausstellungskonzept umzusetzen an einem Ort, an dem sich Vergangenheit und Zukunft begegnen.
Dieser prominente Platz auf dem Schlossberg - mit Blickbeziehungen zum Donautal, zur Altstadt, zum Donaupark mit Lentos Kunstmuseum und Ars Electronica Center - verlangt einen innovativen Bau zeitgenössischer Architektur, der in seiner originären Gestalt, seiner kraftvoll dynamischen Ausstrahlung, seiner Signifikanz und Materialität über der mächtigen Schlossmauer 'schwebt'. Ein Ort, der im städtebaulichen Umfeld Zeichen setzt, sich unverwechselbar mit dem Stadtbild verbindet und wie ein unvergessliches Erlebnis in Erinnerung bleibt.
Nicht nur die europäischen Städte haben in den letzten Jahren den Wert ihrer Museen als Teil der Kulturlandschaft erkannt, neue Standorte geplant und Magnete geschaffen. Der sich entwickelnde Kulturtourismus wurde frühzeitig erkannt, zielgerichtete Planungen haben sich positiv auf das Image der Städte ausgewirkt und zu deren Aufwertung beigetragen. Museen sind heute mehr als reine Ausstellungsgebäude, die den Besuchern 'nur' Kunst und Kultur vermitteln, sie sind vielmehr Orte der Begegnungen, Veranstaltungen und Diskussionen. Sie sind eine feste Größe im modernen Kulturmanagement einer jeden Stadt geworden. Nicht zuletzt hat diese Neuausrichtung auch zum wirtschaftlichen Erfolg (Unterhaltungskosten etc.) beigetragen.
Organisation
Diese Überlegungen bilden den Hintergrund für das umzusetzende Raumprogramm. In Ergänzung zum rein musealen Flächenangebot ist für den Südflügel neben der sonst üblichen Caféteria ein Veranstaltungs- und Restaurantbereich vorgesehen, der die Möglichkeit bietet, verschiedenste Events vor der Kulisse des alten Schlosses durchzuführen.
Das Programm wird in einem 4-geschossigen Gebäude mit Dachterrasse organisiert. Der Haupteingang befindet sich in der Diagonale des großen Schlosshofes. Er ist, vom Tummelplatz durch das Osttor kommend, direkt erkennbar an der Geländekante zum kleinen Schlosshof platziert. Um diesem Bereich das nötige äußere Umfeld zu geben und Veranstaltungen auch im Freien zu ermöglichen ist er im Erdgeschoss (Ebene OK=28750) am östlichen Gebäudeende angeordnet. Die Foyers von Veranstaltungsbereich und Museum können bei Bedarf zusammenhängend genutzt werden. In dem neu gestalteten großen Schlosshof sind unterschiedlichste Nutzungen und Veranstaltungen denkbar.
Vom Eingangsbereich des Museums mit dem Landesmodell vor den Kassen (der Shop ist in den Tresen integriert) eröffnen sich direkt Blick- und Wegebeziehungen. Die zentrale Treppenanlage mit spannungsvollem Licht von oben leitet aus dem Eingangsbereich zu den Ausstellungsräumen im UG und den beiden Obergeschossen.
Im UG (Ebene OK= 283.00 ) sind der Großausstellungsbereich, die Werkstätten, technischen Räume und, wie vom Auslober vorgeschlagen, die Anlieferung (über das Osttor) organisiert.
Im 1. und 2. OG befinden sich die Ausstellungsbereiche Natur und Technik. Die Geschossebenen sind mit den vorhandenen Ausstellungsflächen des Schlosses an den geforderten Stellen im West-, Mittel- und Osttrakt verbunden. Dem Besucher wird so ein durchgängiger Weg durch das Museum geboten, bei dem immer wieder der Wechsel vom Alt- zum Neubau spürbar wird, sei es durch unterschiedliche Materialien oder wechselnde Lichtstimmungen.
Das externe Treppenhaus liegt an der Raumkante zwischen kleinem und großen Schlosshof. Der Niveauunterschied wird mit einer Außentreppe überwunden, durch das Treppenhaus ist der barrierefreie Zugang zum großen Schlosshof gewährleistet. Bei abgeschlossenem großen Hof wird das Restaurant auf der Dachterrasse von hier erschlossen. Zur Steigerung der Attraktivität des Gastronomiebereichs wurde die exponierte Lage auf dem Dach, mit dem exklusiven Panoramablick, gewählt. Über das vertikale Erschließungselement ist es logistisch an das EG mit dem Veranstaltungsbereich angeschlossen. Von der Terrasse aus genießen die Besucher einen einmaligen Ausblick über die Stadt und in das Umland.
Wie vom Nutzer gewünscht, werden die Ausstellungsbereiche mit Kunstlicht beleuchtet. Es wurde besonders darauf geachtet, dass Tageslicht die empfindlichen Exponate nicht beeinträchtigt.
Die markante Lage des Südflügels im städtischen Umfeld fordert jedoch geradezu heraus, neben dem Angebot der tageslichtfreien Ausstellungsflächen einen zusätzlichen Erlebniswert zu schaffen:
Auf der stadtzugewandten Seite haben wir aus diesem Grunde Aussichtspunkte vorgesehen, die den Besuchern auf ihrem Weg durch das Museum gezielt spannende Blickbeziehungen eröffnen. Durch große 'Fenster' auf der Stadtseite fällt Tageslicht in eine Zone zwischen den Ausstellungsräumen und der Außenhülle. Ohne Beeinträchtigung der Ausstellung kann die Besonderheit des Baugrundstücks, nämlich der unbeeinträchtigte Blick über die Stadt voll ausgenutzt werden.
Auf die Promenade der Altstadt ist ein quadratisches Fenster gerichtet, das als Schau-, Werbe- und Medien’box’ dient und einen Dialog zur Stadt herstellt. Im schrägen Panoramafenster und in den drei schmalen Glasschlitzen, die das Thema der Stützpfeiler aufnehmen befindet man sich quasi 'über den Dächern von Linz’ auf Augenhöhe mit den Türmen von Neuem Dom, Ursulinenkirche, Altem Dom und Stadtpfarrkirche.
Mit der Komplettierung des Schlossmuseums mit dem Südflügel schließt sich das kulturelle Dreieck von Lentos, Ars Electronica und Schlossmuseum.
Ein weiterer Teil des Konzeptes ist die Gestaltung von großem und kleinem Schlosshof. Im kleinen Schlosshof werden in einem offenen 2-geschossigen Parkdeck 50 Stellplätze untergebracht. Dieser Parkbereich ist über das externe Treppenhaus mit dem Foyer und dem großen Hof verbunden. Die Kosten für diese offene Parkierung sind im Budget derzeit nicht berücksichtigt. Es erscheint an dieser Stelle sinnvoll, dass der Auslober nochmals grundsätzlich über die Stellplatzproblematik nachdenkt.
Außerhalb der Öffnungszeiten des Museums lassen sich die extern genutzten Bereiche (Veranstaltungs-/ Gastronomiebereich) vom kleinen Schlosshof aus erschließen. Der große Schlosshof läßt sich entweder komplett abtrennen (in Verlängerung des Mitteltraktes) oder nur teilweise mittels temporärer Abtrennung zwischen den Lichtstelen. Insofern lassen sich die geforderten Sicherheitsaspekte problemlos umsetzen.
Konstruktion / Gestalt
Der 4-geschossige Baukörper, der zur Stadt hin in den Obergeschossen leicht geneigt die Form (formal) der Schlossmauer nachzeichnet, erfährt in seinem äußeren Erscheinungsbild eine differenzierte Gestaltung. Sein Volumen entwickelt sich aus Programm und Ort und nimmt in der Höhe Bezüge zum historischen Schloss auf. Der von der Stadt aus sichtbare Fassadenbereich über der Schlossmauer wird mit einer Metallverkleidung (messingfarben) gestaltet, im Kontrast hierzu stehen die hellen Sichtbetonwände auf der Hofseite. Der repräsentative Charakter des großen Schlosshofs stellt sich durch ein schimmerndes, großflächiges Metallgewebe dar, dessen vielfältige Einsatzmöglichkeiten als Werbeträger, Projektionswand u.ä. dem Hof das besondere Etwas verleihen.
Teile der Fassaden sind die in die Metallhülle eingeschnittenen 'Fenster', die sowohl vor- als auch rückspringend ausgeführt werden. Sie sind mit einer Sonnen-/ Wärmeschutzverglasung versehen, verdunkelbar, lichtfilternd und energetisch optimiert.
Die Tragkonstruktion besteht aus einer Stb-Konstruktion in Ortbeton (Decken, Böden und mehrschichtige Wände mit den notwendigen Dämmungen). Die Ausstellungswände werden entsprechend den Vorgaben des Auslobers 'benagelbar' ausgeführt und können flexibel und von der primären Tragstruktur unabhängig platziert werden. Eine konkrete Abstimmung mit dem Ausstellungskonzept ist Teil der Ausführungsplanung. Im Bereich der Untergeschosse werden die Bodenplatte und erdberührende Wände als 'weisse Wanne' mit Perimeterdämmung ausgeführt. Die Arbeiten an der Schlossmauer und den bestehenden Bauten sind entsprechend den besonderen statischen und konstruktiven Anforderungen zu sichern.
Die Dächer sind als Warmdach (Umkehrdach) begehbar und mit extensiver Begrünung vorgesehen.
Die Oberböden werden als Holzparkettböden ausgeführt (im Bereich der Werkstätten als Lamellenparkett), die abgehängten Decken im EG als Streckmetalldecken mit integrierter Beleuchtung, Belüftung sowie der im Veranstaltungsbereich erforderlichen technischen Einrichtungen. Die Rückwand der zentralen Treppenanlage ist wie die Südfassade mit einer messingfarbenen Metallverkleidung bekleidet.
Ökologischer Ansatz
Die Gebäudestrukturen sollen im Sinne des ökologischen Ansatzes überwiegend natürlich belüftet und belichtet werden, was durch das architektonische Konzept sichergestellt wird.
Die geplanten Fassaden mit Lüftungselementen in der Nordfassade und den bereits erwähnten 'Fenstern' der Südfassade ermöglichen Tageslichteintrag im Bereich der Panorama-Zwischenzone und bei Öffnung eines Teils der Glasfelder eine natürliche Durchlüftung infolge Thermik und Wind. Die Verglasungen sind auf die speziellen Anforderungen in den Ausstellungsbereichen abgestimmt und energetisch optimiert.
Aufgrund der kompakten, hervorragenden Wärmedämmung im Fassadenbereich und der klimastabilisierenden hygroskopisch aktiven Bauweise ist ein erheblich energiesparender Einsatz von Ressourcen gewährleistet.
Im Rahmen des Wettbewerbskonzeptes werden nicht nur die natürlichen Ressourcen sondern auch die Nutzung von Regenwasser und Erdwärme einbezogen.
Die Kühlung und unterstützende Heizung wird in den Ausstellungs- und Depoträumen über eine Betonkernaktivierung gewährleistet.
Die dafür benötigte Energie, sowohl Heizungs- als auch Kälteenergie, wird gänzlich über einen Verbund aus Geothermie und Fernwärme gesichert. Hierdurch ist gewährleistet, dass die natürlichen Ressourcen maximal geschont werden und das Gebäude autark betrieben werden kann.



















