Bensheim Hospiz
Stationäres Hospiz
Bensheim
Entwurfsplanung 2005
Standort: Bensheim
Bauherr: Hospizstiftung e.V.
LPH: Entwurf
"In ein Hospiz kommen Sterbende, um zu leben, nicht Lebende, um zu sterben."
(Gudrun Kaiser, Kuratorium Deutsche Altershilfe)
In häuslicher Atmosphäre sollen die letzten Tage im Leben Freude wecken und einen würdigen Rahmen bilden für Begleitung, Abschied und Trauer.
Die Bedeutung der Hospizbewegung ist in Folge der gesellschaftlichen Entwicklung ‘weg von der traditionellen Familie’ gestiegen. Sie hat in Bensheim einen Ort gefunden, der dieser Rolle gerecht wird - an exponierter Stelle, gut erreichbar, nahe dem städtischen Leben, und dabei gleichzeitig von Natur umgeben. Die vielfältigen Blickbeziehungen zu Kirchberghäuschen und Weinbergen sowie über die Stadt Bensheim hinweg in die Rheinebene, zeichnen das Grundstück in besonderem Maße aus.
Ein 2-geschossiges ‘Grünes Haus’, in den Hang integriert, mit viel Licht und Bezug nach außen, stellt die Antwort auf die Aufgabe und das Grundstück dar.
Die diversen Funktionen im Haus sind auf zwei Ebenen organisiert, mit einem Aufzug verbunden und schwellenfreien Übergängen zum Außenbereich.
Im Eingangsgeschoss befinden sich die gemeinschaftlichen Nutzungen, Büro der Leitung, Seminar- und Betreuungsräume, ein Raum der Stille und das Wohn- und Esszimmer mit der vorgelagerten gemeinschaftlich zu nutzenden Terrasse.
Im Obergeschoss orientieren sich die acht großzügig verglasten Patientenzimmer zum Tal hin. Alle Zimmer verfügen über eine integrierte Sanitäreinheit. Das Zimmerangebot wird durch zwei Gästezimmer für Angehörige ergänzt. Eine Nutzung als Patientenzimmer ist möglich.
Allen Patientenräumen vorgelagert ist ein Balkon, der eine Erweiterung nach draußen darstellt und einen privaten Außenbereich darstellt. Die große Offenheit der Zimmer mit gleichzeitigem Sichtschutz von außen stellt eine erwähnenswerte Qualität dar. Der Patient hat, egal ob vom Bett oder Balkon, den Blick über die Stadt und ins Grün der umgebenden Natur.
Die Räume für das Pflegepersonal (Dienstzimmer, Pflegearbeitsraum und -bad, etc.) befinden sich auf derselben Ebene wie die Zimmer. Die alltäglichen Pflegeabläufe werden dadurch unterstützt. Die U-förmige Anordnung der Räume umschließt nach Nordosten hin einen lichten Wintergarten, an den der Raum der Stille im Erdgeschoss anschließt. Dieser Wintergarten erweitert das gemeinschaftliche Angebot auf der oberen Ebene und geht in die reiz- volle Topographie des Grundstücks über. Über einen angelegten Weg gelangt man zu einem Freisitz mit Rosenspalier. Ein fast versteckter Ort, um kurz durchzuatmen und den Garten zu genießen.
Der Raum der Stille - ein Platz, um sich selbst und seine Gedanken zu finden.
Hier bietet sich die Möglichkeit, kurzzeitig Distanz zu Leben und Sterben im Hospiz zu gewinnen, ein ruhiger, gedämpfter Ort des Rückzugs, der gleichzeitig die Möglichkeit von Gruppenveranstaltungen und Trauerfeiern bietet. Das Licht, das über eine begrünte Böschung in den Raum fällt, mit Naturstein verkleidete Wände oder der warme Farbton des dunklen Holzbodens bewirken eine meditative Ruhe und Feierlichkeit, die dem Hospiz eine würdige Mitte geben.
Lebensqualität durch Normalität: Die Anordnung unterschiedlicher Nutzungen auf zwei Ebenen eröffnet Patienten, Verwandten oder Betreuern Möglichkeiten, die verbleibende Zeit sowohl mit den anderen zu gestalten, gemeinsam zu kochen und zu essen, wenn gewünscht aber auch den nötigen, privaten Rückzugsbereich zu finden.
Aus ortstypischen Elementen und Materialien (z. B. die Naturstein- mauern der Weinbergterrassen, Holz und das umgebende Grün der Natur) leiten sich die bestimmenden Gestaltungselemente des Entwurfs ab: ‘Warme’ und natürliche Materialien unterstreichen den Anspruch, den Patienten eine wohnliche Atmosphäre zu bieten. Das Hospiz besteht als einfache, konventionelle Mischkonstruktion aus Mauerwerk und STB-Flachdecken. Das nach innen geneigte, schräge Ziegeldach ruht auf einer herkömmlichen Zimmermannskonstruktion. Im Bereich der Nebenräume wird das leicht geneigte Glasdach des Wintergartens von extensiv begrünten Flachdachbereichen umrahmt. Die äußere Erscheinung des Gebäudes wird hauptsächlich durch zwei Materialen (Natursteinwände und Lärchenholz-schindeln) geprägt. Während sich das Erdgeschoss analog zu den Mauern der Weinberge aus dem Hang heraus entwickelt, hebt sich das Obergeschoss mit einer Verkleidung aus Lärchenholzschindeln leicht darüber ab. Die Balkonkonstruktion aus Holz und Stahl läuft um die Ecke und dient gleichzeitig als Rankgerüst für die geplante Fassadenbegrünung. Wegen der laufenden Unterhaltskosten ist eine Niedrigenergiebauweise mit hochwertiger Außendämmung angedacht. Als Energiequelle ist derzeit eine Brennwerttechnik (Gas, evtl., je nach Bodenbeschaffenheit auch mit Erdwärme-Wärmepumpe) mit zentraler Warmwasserbereitung vorgesehen.
Das Bestreben nach einem wohnlichen Ambiente setzt sich auch im Innenausbau fort: Verputzte und farbig behandelte Wände, dunkle, natürliche Holzböden, leichte Vorhänge und viel Grün bestimmen die Stimmung im Inneren.
Aus den topographischen Gegebenheiten des Grundstücks heraus sind die Außenanlagen als Fortsetzung der Weinbergterrassen gestaltet. Die natürliche Pflasterung der Wege, Regenwasser-versickerung, Stützmauern aus Naturstein und einfach zu pflegende Grünbereiche binden das Hospiz in Natur und Landschaft ein.











